Eine Besonderheit Korsikas ist das für den Mittelmeerraum einzigartige Kulturerbe, als Spiegelbild einer komplexen Geschichte. Diese Geschichte zeigt sich in den anthropomorphen Hinkelsteinen in Filitosa oder in den „Castelli“ [Festungen] in Alta Rocca ebenso, wie in den Genueser Zitadellen an den Küstenstreifen, in der aufwändig verzierten Barockkirche in Castagniccia oder aber in den Überresten aus der Antike.
Die extrem lebendige Kultur Korsikas, die sich über die Jahrhunderte in Bräuchen und Traditionen überliefert hat, ist auch heute noch in der Musik, den Gesängen und im Handwerk zu finden. Die zahlreichen Kulturveranstaltungen und Jahrmärkte, die hier das ganze Jahr über abgehalten werden, sind Beispiele für eine Kultur, eine "Lebensart" und ein Handwerk, die beinahe gemeinsam mit jener Gesellschaft verschwunden wären, die sie hervorgebracht hat.
Auf der Suche nach dieser Identität hat es die kulturelle Erneuerungsbewegung mit Namen „Riacquistu“ verstanden, die Traditionen einer Gesellschaft, und vor allem deren wichtigstes Ausdrucksmittel, nämlich die Sprache, zu verteidigen.
Korsisch, eine Mischung aus Lateinisch und Italienisch, diente in der Vergangenheit lediglich als mündliches Verständigungsmittel, und ist heute als eigenständige Sprache anerkannt. Sie war lange Zeit aus den Schulen verbannt, wird heute jedoch entsprechend gepflegt, und bereits ab dem Vorschulalter gelehrt. Die Wiedergeburt dieser Sprache verleiht auch der übrigen insularen Kreativität den entsprechenden Elan, und nach der Wiederentdeckung ihres Kulturerbes vermittelt eine neue korsische Generation der Welt ihre Kultur, die sich aus Tradition und Moderne zusammensetzt.